15 49.0138 8.38624 1 0 4000 1 https://www.glutenreise.at 250 true

Was ist Zöliakie und ist ein Brösel wirklich so schlimm?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Etwa 1% der Bevölkerung in Europa ist davon betroffen. Wenn wir Menschen mit Zöliakie, aka „Zölis“, Gluten zu uns nehmen, verwechselt unser Immunsystem Gluten mit einer Gefahr für den Körper. Die Folge? Der Körper reagiert mit Entzündungen, vor allem im Dünndarm. Dadurch bilden sich die Dünndarmzotten zurück und die beschädigte Dünndarmschleimhaut nimmt vermindert oder gar keine Nährstoffe auf. Es kommt zu einer Mangelernährung und deren Spätfolgen. Der Auslöser dafür ist das Klebereiweiß Gluten. Zöliakie ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht heilbar.

Zöliakie einfach erklärt

Glutenfrei bedeutet nicht automatisch Zöliakie-geeignet!

Zöliakie Betroffene reagieren auf minimalste Mengen an Gluten. Selbst ein klitzekleiner Brösel richtet bereits einen Schaden in unserem Körper an. Und nein, wir übertreiben nicht! Der Trend der glutenfreien Ernährung ist deswegen Fluch und Segen zugleich für uns. Auf der einen Seite gibt es seit dem glutenfreien Diät-Hype ein deutlich größeres Angebot an glutenfreien Restaurants und Lebensmitteln. Gleichzeitig wird die Autoimmunerkrankung Zöliakie oft nicht ernst genommen.

Salat mit Croutons

Salat geht immer? Aber bitte ohne Croutons!

Wir Zölis müssen strikt auf jegliche Kontamination achten.

Was bedeutet Kontamination

  • Wurde die glutenfreie Pizza mit demselben Messer geschnitten, wie die normale?
  • Für die glutenfreien Nudeln wurde dasselbe Sieb verwendet oder
  • im Kuchen ist nur ganz, ganz wenig Dinkelmehl?

Für Menschen, die freiwillig auf Gluten verzichten ist das kein Problem. Für uns Zölis bedeutet das bereits kurz- oder langfristige gesundheitliche Schäden für unseren Körper. Gastronomen wissen nicht immer Bescheid über Zöliakie. Der letzte „ich esse kein Gluten, weil das viel gesünder ist“-Gast hatte kein Problem ein paar Croutons im Salat zu essen. Warum macht dann der Zöli so einen Aufstand deswegen?

Symptome der Zöliakie?

Ein Grund, warum wir so einen „Aufstand“ machen sind die Symptome. Diese sind bei Zöliakie sehr individuell. Häufig treten Magen- und Darmbeschwerden auf.

  • Übelkeit + Erbrechen
  • Durchfall
  • aufgeblähter Bauch
  • Bauch- & Magenschmerzen
  • Antriebslosigkeit
  • Eisenmangel
  • Osteoporose
  • Nährstoffmangel
  • Unerfüllter Kinderwunsch oder Fehlgeburten
  • bei Kindern: Wachstums- und Entwicklungsstörungen

Zu unterscheiden ist auch zwischen sofortigen Symptomen und Langzeitschäden. Während sich Durchfall und Übelkeit sofort oder in einem gewissen zeitlichen Abstand zum Genuss von glutenhaltigen Speisen auftritt, sind andere Symptome – wie ein unerfüllter Kinderwunsch – oft erst langfristig erkennbar.

Jeder Zöli reagiert anders

Die Symptome sind nicht nur in ihrer Art sehr unterschiedlich, sondern auch in der Intensität. Während manche Zölis so stark auf Gluten reagieren, dass ein Krankenhausbesuch notwendig ist, spüren andere Zölis kaum oder gar keine sofortigen Symptome.

Ich selbst spürte vor meiner Zöli-Zeit keine oder kaum merkbare Symptome beim Essen von glutenhaltigen Speisen. Meine  Zöliakie Diagnose war Teil einer Routinekontrolle. Mein Glutenunfall Anfang des Jahres hat mir allerdings fast eine Woche Beschwerden verursacht und gezeigt, dass mein Körper inzwischen mit einer heftigen Abwehrreaktion auf Gluten reagiert. Eine Zöliakie ohne kurzfristige Symptome nennt sich atypische Zöliakie oder stille Zöliakie.

Egal ob du sofort reagierst oder eine stille Zöliakie hast: In beiden Fällen wird bei falscher Ernährung der Dünndarm beschädigt und Langzeitfolgen treten ein. Das tückische an der stillen Zöliakie ist, dass du es womöglich erst Jahre später merkst. Eine strikte glutenfreie Ernährung ist der einzige Weg Langzeitfolgen zu vermeiden und ein gesundes Leben zu führen.

Risikofaktoren bei Zöliakie?

Zöliakie wird häufig vererbt. Hat eine Person in deiner Familie Zöliakie? Dann sollten sich unbedingt deine Eltern, Geschwister und Kinder auch testen lassen. Auch wenn keine Symptome vorhanden sind! Denn die stille Zöliakie und ihre Langzeitfolgen sind genauso schädlich für den Körper.

Hast du die Vermutung Zöliakie zu haben?

Wenn du glaubst auch Zöliakie zu haben, dann ist das allerwichtigste: Iss weiterhin Gluten! Das klingt auf den ersten Blick paradox, ist allerdings ganz, ganz wichtig um eine korrekte Diagnose stellen zu können!

Der erste Schritt beim Verdacht auf Zöliakie ist eine Blutuntersuchung. Diese Untersuchung ist nur aussagekräftig wenn du genügend Gluten zu dir genommen habe. Deswegen ist es unbedingt wichtig weiterhin Gluten zu essen!

Bestätigt die Blutuntersuchung deinen Verdacht auf Zöliakie ist eine Magenspiegelung der nächste Schritt. Keine Sorge das klingt schlimmer, als es dann wirklich ist! Erst nach der Magenspiegelung ist ersichtlich wie sehr deine Dünndarmzotten in Mitleidenschaft gezogen sind und ob die Diagnose Zöliakie gesichert ist. Achtung: Der Weg zur Diagnose kann in Deutschland, der Schweiz und in anderen Ländern abweichen. Mehr Information dazu findest du bei der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie.

Zöliakie – was jetzt?

Hast du die gesicherte Diagnose Zöliakie?

Willkommen im Club der Zölis!

Auch, wenn es sich anfangs wie ein Schock anfühlt, es gibt weitaus schlimmere Erkrankungen als Zöliakie. Mit ein bisschen Planung, dem richtigen Wissen und einer positiven Einstellung ist deine Zöliakie kein Grund für Trübsal!

Ich empfehle dir ebenfalls

  • eine Mitgliedschaft bei der Zöliakie Vereinigung in deinem Land.

Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie
Deutsche Zöliakie Gesellschaft
Interessengemeinschaft Zöliakie in der Schweiz

  • eine Beratung bei einem Ernährungsberater
  • den Austausch mit anderen Zölis

Glutenfrei reisen und genießen ist mit dem richtigen Wissen gut möglich. Meine Erfahrungen rund ums entspannte Reisen mit Zöliakie teile ich hier mit dir auf glutenreise.at.

Hast du Fragen, Anmerkungen oder Feedback? Ich freue mich auf deine Nachricht.

 


Aufgepasst: In meinen Blogartikeln gebe ich meine persönliche Meinung, mein aktuelles Wissen und meine Erfahrung weiter. Mein Blog  ersetzt nicht die qualifizierte Beratung und Behandlung durch einen Arzt! Von mir getestete Restaurants, Cafés und Hotels können jederzeit die Art der Zubereitung und die verwendeten Zutaten ändern. Ich freue mich über Anmerkungen, Tipps & Feedback! Wie immer gilt für uns Zölis: Nachfragen, nachfragen, nachfragen!


Folgst du mir schon auf Instagram und Pinterest?

Jenni

Jenni

Reisebloggerin mit Zöliakie.
Ob fremde Länder, neue Kulturen oder der Nachbarort - es gibt immer etwas zu entdecken. Das Reisen mit Zöliakie ist manchmal eine Herausforderung - mit der richtigen Vorbereitung und persönlichen Einstellung klappt das allerdings wunderbar.
Mein Motto: glutenfrei. entdecken. genießen.
Jenni
Kategorie:Zöli-Leben
vorheriger Post
So kannst du mich unterstützen.
nächster Post
Glutenfrei in Zadar, Kroatien – geht das?

0 Kommentar

Antworten