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Die Faszination der Orang Utans auf Borneo & eine ungewöhnliche Bekanntschaft

Es ist 12:30 Uhr. Ich stehe an der Bushaltestelle in Kuching. Mein heutiges Ziel? Orang Utans im Semenggoh Wildlife Centre zu sehen. Hoffentlich, den nicht immer zeigen sich die scheuen Tiere. Laut Plan fährt der öffentliche Bus Nr 6 um 13:00 Uhr los. Der Fahrplan dient hier nur zur groben Orientierung, deswegen bin ich früh da. Es kann gut sein, dass der Bus 15 Minuten früher oder später losfährt. Oder gar nicht.

orang utans borneo

Mein Besuch bei den Orang Utans im Semenggoh Wildlife Centre auf Borneo

Um 13:10 sind wir etwa 7 Leute. Zwei Spanierinnen, zwei Holländer, ein Deutscher, eine Frau aus Brasilien und ich. Alle warten auf den Bus. Neben uns wartet ein älterer Herr, um die 70, auf seinen Bus nach Hause. Er fängt an mit uns zu plaudern. Sein Englisch ist überraschend gut. Auch seine Länderkenntnisse. „Spanien? Guter Fisch!“ „Deutschland? Frau Merkel, jaja!“ „Holland? Da wird geraucht.“ „Australien? Ah Österreich? Viel Musik und Kultur!“. Genau. 🙂

Ein paar Minuten später kommt endlich ein Bus. Wir freuen uns allerdings zu früh. Der Busfahrer steigt aus, sagt ein paar Sätze auf Malaysisch und ist auch schon wieder samt Bus verschwunden. Wir blicken uns verwundert an. Da kommt uns der alte Herr zu Hilfe und übersetzt. Der Bus fährt heute nicht. „Das passiert ab und zu“. Was jetzt? Innerhalb von kurzer Zeit sind wir von Taxis und Minibusfahrern umringt. Jeder bietet an uns zu fahren.

Los geht’s ins Semenggoh Wildlife Centre

Der öffentliche Bus zum Semenggoh Wildlife Centre kostet gerade einmal RM 4. Umgerechnet etwa Euro 0,90. Die Angebote von den Taxifahrern liegen bei RM 20 bis 50. Pro Person. Das lehnen wir dankend ab. Wieder kommt uns der alte Mann zu Hilfe. Kurzerhand übernimmt er das Verhandeln und findet einen Minibus für RM 5 pro Person. Damit sind wir einverstanden. Leicht skeptisch schauen wir nochmal in die Richtung, von der der öffentliche Bus kommen sollte, dann steigen wir in den Minibus.

Zu unserer Überraschung kommt der alte Mann ebenfalls mit. Er möchte auch die Orang Utans sehen. Nagut. Dann los! Mit dem Minibus dauert die Fahrt nur 20 Minuten, statt den 45 mit dem öffentlichen Bus. Unterwegs entpuppt sich der alte Mann als guter Reiseführer. Er erklärt uns allerhand über die Orte an denen wir vorbeifahren.

semenggo wildlife centre

10 Ringgit kostet der Eintritt für Erwachsene.

Als wir ankommen hat das Wildlife Centre noch gar nicht geöffnet. Die täglichen Fütterungen der Orang Utans sind zwischen 09:00 und 10:00 Uhr und 15:00 bis 16:00 Uhr. Eine Stunde davor darf das Gelände betreten werden.

Semenggo Wildlife Centre Willkommen

Eine Straße führt zum Fütterungsbereich.

Was ist das Semenggoh Wildlife Centre?

Das Semenggo Wildlife Centre hat nicht nur einen langen Namen, sondern auch eine lange Geschichte. Seit 1975 Jahren werden hier ehemals gefangen gehaltene Orang Utans wieder an die Wildnis gewöhnt. Die Tiere leben frei im Gelände. Es wird ihnen jedoch die Unterstützung gegeben, die sie durch ihre Vergangenheit benötigen. Manche Tiere gewöhnen sich wieder an ihre Freiheit und werden kaum mehr gesehen. Andere kommen regelmäßig zu den Fütterungen.

Einen Orang Utan zu sehen ist deswegen auch etwas Glückssache. Von März bis Oktober ist Trockenzeit und die Chancen höher die scheuen Tiere zu entdecken. Danach ist Regenzeit und es wachsen mehr Früchte an den Bäumen. Die Orang Utans sind dann weniger auf eine zusätzliche Fütterung angewiesen und werden seltener gesehen.

Ticket gekauft. Jetzt geht’s los!

Endlich ist es 14:00 Uhr und wir dürfen das Gelände betreten. Der Eintritt kostet RM 10,00, also etwa 2 Euro. Vom Eingang sind es noch 15 – 20 Minuten zu Fuß durch den Regenwald bis zum Fütterungsgelände. Wer mit dem Auto kommt, kann bis zum Parkplatz weiter fahren. Neben den Orang Utans verspricht das Wildlife Centre noch einige Wanderwege und Botanische Ausstellungen. Diese zweigen immer wieder links und rechts vom Weg ab, sind jedoch bei meinem Besuch alle gesperrt.

Staße zum Semenggoh Wildlife Centre

Etwa 15-20 Minuten gehe ich die Straße entlang. Links und rechts ist Regenwald.

Das Warten auf die Orang Utans

Bis zur Fütterung um 15:00 Uhr ist noch etwas Zeit. Es gibt eine kleine Ausstellung über Orang Utans und den Park. In einem viel zu kleinen Gehege wird ein Krokodil gehalten. Ein paar exotische Vögel werden ebenfalls in Gehegen präsentiert. Insgesamt lässt sich hier sonst nicht viel unternehmen. Wanderungen durch das Gelände sind auf eigene Faust nicht erlaubt. In einem kleinen Shop kannst Du Wasser und Postkarten kaufen. Ich hätte gerne ein paar Karten gekauft, denn in ganz Kuching habe ich bis jetzt keine Postkarten gefunden. Die Motive waren, wahrscheinlich durch die hohe Luftfeuchtigkeit, jedoch komplett ausgebleicht.

Krokodil Semenggoh

In einem Rehabilitationscenter für Orang Utans wundert mich das im klitzekleinen Käfig gehaltene Krokodil.

Darauf solltest du bei deinem Besuch achten

Schon um halb drei fangen die Pfleger an, Bananen und Zuckerrohr auf den Fütterungs Plätzen zu verstreuen. Etwa 10-15 andere Menschen stehen neben mir. Normalerweise sind mehr Touristen da. Warum das so ist, weiß ich nicht. Mir ist es allerdings ganz recht. Ein paar Sicherheitshinweise gibt es auch:

  • Selfie Sticks sind verboten, da diese die Orang Utans an Gewehre erinnern.
  • Fotografieren darfst du nur ohne Blitz, da die Tiere davon sonst gestört wären.
  • Jegliches Essen muss gut im Rucksack verstaut werden.
  • Auch Plastikflaschen dürfen nicht in der Hand gehalten werden. Die kleinen Orang Utans werden mit Milch gefüllten Flaschen gefüttert. Wenn du also eine Plastikflasche in der Hand hältst, könnte ein Orang Utan das für Futter halten und auf dich zukommen.
  • Ebenfalls wichtig ist es jederzeit genügend Abstand zu den Tieren einzuhalten. Mindestens 6 Meter sollen zwischen dir und einem Orang Utan liegen. Wenn ein Tier auf die zugeht, sollst du ausweichen und es nicht direkt anschauen.

Der Pfleger erzählt uns all das und erinnert uns nochmal daran, dass wir nicht in einem Zoo sind. Orang Utans sind wilde Tiere. Die Tiere bewegen sich frei. Manchmal kommen sie aus dem Regenwald zur Fütterung, manchmal tauchen sie hinter dem Krokodilgehege auf und ab und zu nehmen sie auch den Weg über den Parkplatz. Wir sollen deswegen jederzeit unsere Umgebung beobachten und uns nicht von einem Tier überraschen lassen. Erschrocken schauen wir uns um. Nichts zu sehen.

Semenggo Verhaltensregeln

Orang Utans sind wilde Tiere. Vorsicht ist geboten.

Ganz wichtig ist es auch, komplett ruhig zu sein. Orang Utans reagieren sehr empfindlich auf laute Geräusche. Flüstern ist angesagt. Auch der Pfleger redet in leiser Stimme weiter. Seit 20 Jahren arbeitet er hier. Er beobachtet die Tiere und sieht ihre Entwicklung. Er ist stolz, den Tieren ein neues Leben zu ermöglichen.

Orang Utans – die vom Aussterben bedrohten Waldmenschen

So unglaublich es klingt: Orang Utans wurden und werden hier immer noch als Haustiere gehalten, als Zirkustiere, für Shows, Boxkämpfe und sogar in Bordellen! Ich kann das Anfangs gar nicht glauben. Meine Online Recherche bestätigt das allerdings. Leider. Einfach unfassbar.

Die Abholzung des Regenwalds tut ihr übriges. Früher waren die Orang Utans in ganz Südostasien verbreitet. Heute leben die letzten Exemplare auf Borneo und Sumatra. Wusstest du, dass die DNA von Orang Utans zu 97% mit der menschlichen DNA übereinstimmt? Sie sind unsere nächsten Verwandten. Umso schlimmer zu wissen, was die Menschen mit den Tieren anstellen. Der Name Orang Utan bedeutet übersetzt übrigens Mensch im Wald oder Waldmensch. Utan steht für Wald und Orang für Mensch.

Einen Orang Utan zu sehen ist Glückssache

Der Pfleger erzählt weiter. Einen Orang Utan zu sehen ist Glückssache. Sie können und wollen das Verhalten der Tier nicht allzusehr beeinflussen. An manchen Tagen kommen mehrere Orang Utans, dann gibt es wieder Tage an denen sich kein Waldmensch blicken lässt. Was ist wenn die Tiere erst später Hunger haben? Auch das kann sein. Die Fütterung am Nachmittag ist idR zwischen 15:00 und 16:00 Uhr. Die Tiere halten sich allerdings selten an fixe Zeiten. Es kann auch sein, dass sie erst um fünf der Hunger anlockt. Alle Besucher müssen jedoch um 16:00 Uhr das Centre verlassen haben.

Semenggoh Fütterung Orang Utans

Die Pfleger richten Bananen und Zuckerrohr für die Orang Utans.

Wir warten gespannt. Schauen uns um. Keiner sagt ein Wort. Alles sind mucksmäuschenstill. Wir warten und warten. Es ist bereits 15:30 und kein Orang Utan in Sicht. Meine Hoffnung ist bereits ziemlich gesunken. Der Pfleger rät uns einfach morgen nochmal zu kommen. Vielleicht haben wir da mehr Glück.

So langsam wird auch die Gruppe unruhig. Ein Paar beginnt zu plaudern. Ein Kind mit quietschenden Schuhen läuft hin und her. Keiner rechnet mehr damit, heute noch einen Orang Utan zu sehen. Wir haben allerdings doch Glück. Aus der Ferne hören wir dann einen Laut. Die Blätter in den Bäumen rascheln. Der Pfleger legt den Finger auf seine Lippen. Wir sind wieder mucksmäuschenstill.

Orang Utan Semenggoh Wildlife Centre

Dieser Moment, wenn von weiter Ferne tatsächlich ein Orang Utan auftaucht.

Einen Orang Utan zu sehen ist ein faszinierendes Erlebnis

Zuerst sehen wir nur etwas braunes. Ein Orang Utan? Ja! Er kommt direkt auf uns zu. Beim Krokodil Gehege spaziert er lässig vorbei, schaut kurz zu uns und schwingt sich dann auf einen Baum. Noch ist er etwa 50 Meter entfernt. „Ahs“ und „Ohs“ gehen durch die Runde. Bis allen wieder einfällt leise zu sein. Ganz langsam nähert sich uns das große Tier. Bis er sich entspannt hinsetzt und genüsslich anfängt die Bananen aus der Schale zu saugen.

orang utan semenggoh

Genüsslich isst der Orang Utan seine Bananen.

Was für ein Gefühl! Ich bin fasziniert. Die Bewegungen sind sehr menschlich. Die Art wie der Orang Utan seine Hände verwendet, wie er den Kopf dreht und uns kurz anschaut, erscheinen mir sehr vertraut.

Inzwischen ist es bereits 16:00 Uhr. Der Pfleger weist uns darauf hin, den Park zu verlassen. Im selben Moment erscheinen jedoch noch zwei weitere, kleinere Orang Utans. Wieder geht ein Raunen durch die Gruppe. Eines der Tiere ist noch ein Kind und deutlich verspielt. Er stibitzt dem großen Orang Utan eine Banane aus der Hand und flüchtete damit hoch in einem Baum. Kurz dürfen wir den Tieren noch zuschauen, dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Ausgang.

Orang Utans im Semenggoh Wildlife Centre

Der kleine Orang Utan ist verspielt und tollt auf den Seilen hin und her.

 

Orang Utan Borneo

Ganz entspannt sitzt der Orang Utan auf dem Seil und betrachtet uns Menschen. Was ihm wohl durch den Kopf geht?

Ein wunderbarer Tag in Borneo

Ein paar Mal drehe ich mich noch um und sehe die Orang Utans immer kleiner werden. Ich bin noch ganz verzaubert und glücklich, die uns so ähnlichen Tiere gesehen zu haben. Auch der alte Herr ist sichtlich zufrieden mit seinem Besuch. Zurück beim Eingang holt uns der Minibus wieder verlässlich ab und fährt uns zurück nach Kuching. Unterwegs steigt der alte Mann aus, lächelt uns nochmal an und winkt zum Abschied. Ich lächle zurück. Dieser wunderbare Tag und die ungewöhnliche Begegnung mit dem alten Mann werden mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Kurzinfo:

Semenggoh Wildlife Centre
93250 Siburan, Sarawak, Borneo

Eintritt: RM 10 (etwa 2 Euro)

Anreise mit dem Bus
Der öffentliche Bus Nr. 6 fährt von der Jalan Masijd in Kuching um 7.15 und 13:00 Uhr los. RM 4 pro Strecke.
Anreise mit dem Taxi
Ein Taxi (Grab ist etwas günstiger) kostet zwischen RM 20 und 50.
Organisierte Tour
Für eine organisierte Tour ab Kuching zahlst du zwischen RM 70 und 150.

Zwischen März und November ist die Wahrscheinlichkeit Orang Utans zu sehen höher. Um ganz sicher Orang Utans zu entdecken, empfehle ich dir sicherheitshalber einen zweiten Tag einzuplanen. Hast du bei deinem ersten Besuch kein Glück, kannst du einfach wieder kommen.

Jenni

Jenni

Reisebloggerin mit Zöliakie.
Ob fremde Länder, neue Kulturen oder der Nachbarort - es gibt immer etwas zu entdecken. Das Reisen mit Zöliakie ist manchmal eine Herausforderung - mit der richtigen Vorbereitung und persönlichen Einstellung klappt das allerdings wunderbar.
Mein Motto: glutenfrei. entdecken. genießen.
Jenni
Kategorie:Asien, Borneo, Malaysia, Reisen
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2 Kommentare

  • November 6, 2018 at 9:45 am
    Julia

    Oh, darum beneide ich dich sooo sehr. Ich find‘ Menschenaffen generell, aber Orang Utans ganz besonders spannend. Und ich muss dir zustimmen. Es ist unverantwortlich was im Namen des Profit unseren nächsten Artgenossen angetan wird. Es macht mich immer wieder traurig und wütend und hinterlässt mich oft so hilflos… Einerseits gut, dass es solche Reservate gibt, andererseits finde ich es schade, dass man sie überhaupt braucht. Aber ohne sie, wären die Orang Utans wahrscheinlich schon so dezimiert, dass man sie nur noch aus Zoos kennen würde. Ein Schicksal, das sie sich leider mit vielen anderen Arten teilen. 🙁 Danke, dass du dem Reservat einen Besuch abgestattet hast und mit deinem Eintrittsgeld deren Arbeit ein bisschen unterstützt hast.

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  • November 6, 2018 at 2:22 pm
    Alexandra - Traveling the World

    Borneo steht definitiv ganz oben mit auf meiner Reiseliste und nach diesem spannenden Artikel noch mehr, wirklich faszinierende Tiere und Du hast das so anschaulich beschrieben. Reservate und Zoos, das ist imme eein schwieriges Thema, aber in dem Fall wahrscheinlich eine gute Sache. Liebe Grüße, Alexandra

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