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Liebe Nicht Zölis – bitte backt mir keinen Kuchen!

Du möchtest mir etwas Gutes tun? Wegen meiner Zöliakie soll ich nicht leer ausgehen? Du würdest gerne zum ersten Mal einen glutenfreien Kuchen backen? Du hast auch schon ein glutenfreies Rezept gefunden? Stopp!

Meine gemischten Gefühle, wenn Nicht Zölis einen glutenfreien Kuchen backen wollen

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Eins vorweg: Ich freue mich, dass du dir extra Mühe für mich machen willst. Ich freue mich, dass du bereits ein Rezept ausgesucht hast und ich freue mich, dass du auch schon etwas über das glutenfreie Backen recherchiert hast! 

Gleichzeitig habe ich ein mulmiges Gefühl.

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Lieber Nicht-Zöli! Danke, dass du mir einen Kuchen backen möchtest. Danke, dass du an mich denkst! Danke, dass du dich bereits informiert hast.

Dennoch: Bitte backe keinen Kuchen für mich.

Warum?

1 | Glutenfreies Backen ist eine Wissenschaft für sich.

Einfach das Weizenmehl durch glutenfreies Mehl ersetzen? Das funktioniert leider in den meisten Fällen nicht. Gluten ist ein Klebereiweiß und sorgt beim Backen für ein optimales Ergebnis. Glutenfreie Rezepte benötigt meistens Backhelfer, wie Xanthan oder Johannisbortkernmehl. Die sind nicht nur teuer, sondern auch schwer zu besorgen. Die richtigen Zutaten sind allerdings noch keine Garantie für einen gelungenen Kuchen. Meine ersten glutenfreien Backversuche sind kläglich gescheitert. 

2 | Glutenfrei & zöli-sicher einkaufen ist tricky!

Dinkel ist nicht glutenfrei. Das weißt du? Super. Wusstest du auch das Weizenstärke, Gerstenmalzextrakt und Grünkorn nicht glutenfrei sind? Wusstest du, dass glutenfreie Mehle unbedingt dezidiert als glutenfrei gekennzeichnet sein müssen, damit wir Zölis sie gefahrenlos essen dürfen? Gluten findet sich in den  unerwartetsten Stellen: im Kakaopulver, in den gemahlenen Nüssen, in der Schokoglasur.  Ich bin immer wieder überrascht in wie vielen Produkten Gluten enthalten ist. Glutenfrei einkaufen ist tricky.

3 | Da wär noch die Sache mit der Kontamination.

Kontamination? Hä? Was ist denn das?

Kontamination bedeutet, wenn ein eigentlich glutenfreies Gericht durch Spuren von Gluten verunreinigt wird. Deinen normalen Handmixer kannst du beispielsweise nicht für meinen Kuchen verwenden, denn in den Geräten sammelt sich über die Jahre allerlei Mehlstaub an und rieselt dann bei jedem Verwenden in den Teig. Schwupps. Der glutenfreie Teig ist kontaminiert. In der Waage war noch etwas Mehl vom letzten Backen. Schwupps. Der glutenfreie Teig ist kontaminiert. Du hast das selbe Messer für den glutenhaltigen und den glutenfreien Kuchen verwendet? Schwupps. Der glutenfreie Kuchen ist kontaminiert. 

Finger mit Mehl

Eine kleine Menge glutenhaltiger Mehlstaub kann bereits langfristige gesundheitliche Folgen für einen Zöli bedeuten.

Kontaminatsionsfrei Backen in einen glutenhaltigen Haushalt kann eine echte Herausforderung sein. Bin ich pingelig, ängstlich oder vertraue dir nicht? Nein!

Denn schon ein Brösel oder etwas glutenhaltiges Mehl in meinem „glutenfreien“ Kuchen führt dazu, dass der Kuchen nicht mehr zöli-.sicher ist.

Die Folge? Mein Darm wird geschädigt, mein Körper reagiert mit Unwohlsein und das Risiko ernsthafte Krankheiten, wie etwa Darmkrebs zu bekommen steigt deutlich. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Es geht nicht um „etwas Bauchweh“. Es geht um meine langfristige Gesundheit.

Klingt übertrieben? Ich kann dich gut verstehen. Vor meiner Diagnose habe ich auch nicht glauben können, wie strikt wir Zöliakie Betroffene auf klitzekleine Glutenmengen achten müssen. 

Glutenfrei Backen ist nicht einfach, erfordert spezielle Zutaten und birgt eine große Kontaminationsgefahr.

Die richtigen glutenfreien Zutaten besorgen, das passende Rezept finden und in einem normalen Haushalt 100% glutenfrei ohne Kontamination backen? Das ist anfangs nicht einfach. 

Vor allem das glutenfreie Backen birgt einige Stolperfallen. Da kann allzu leicht ein Fehler passieren. Bitte backe keinen glutenfreien Kuchen für mich.

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Glutenfrei zu backen kann eine echte Herausforderung sein.

Ich glaube jeder Zöli kennt diese blöde und unangenehme Situation, wenn extra ein Kuchen für einen gebacken wurde und man leider ablehnen muss. Zu groß ist das Risiko, meine eigene Gesundheit durch Kontamination oder falsche Zutaten zu schaden. Ich weiß wie viel Mühe du dir gegeben hast. Umso unangenehmer ist es mir, wenn ich den Kuchen nicht essen kann. Ich fühle mich unwohl. Du bist enttäuscht. Bitte backe keinen glutenfreien Kuchen für mich.

Mein Vorschlag: Ich bringe einen Kuchen mit. Das nächste Mal können wir gemeinsam backen und ich erzähle dir mehr über das Leben mit Zöliakie und welche Kontaminationsgefahren es im Haushalt gibt. Danke für dein Verständnis! ♡

Anmerkung: Natürlich ist glutenfreies Backen nicht nur Zölis vorbehalten. Ich empfehle jedem Nicht-Zöli jedoch ein ausführliches Gespräch mit deinem Zöli und/oder einen gemeinsamen Backabend zur Vorbereitung. So können alle Fragen zu Kontamination & Co beantwortet werden und alle sind zufrieden. Mit etwas Routine, dem richtigen Wissen und der passenden Küchenausstattung ist das zöli-sicher glutenfreie Backen auch als nicht unmittelbarer Betroffener gut machbar!

 


Aufgepasst: In meinen Blogartikeln gebe ich meine persönliche Meinung, mein aktuelles Wissen und meine Erfahrung weiter. Mein Blog  ersetzt nicht die qualifizierte Beratung und Behandlung durch einen Arzt! Von mir getestete Restaurants, Cafés und Hotels können jederzeit die Art der Zubereitung und die verwendeten Zutaten ändern. Ich freue mich über Anmerkungen, Tipps & Feedback! Wie immer gilt für uns Zölis: Nachfragen, nachfragen, nachfragen!


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Jenni

Jenni

Reisebloggerin mit Zöliakie.
Ob fremde Länder, neue Kulturen oder der Nachbarort - es gibt immer etwas zu entdecken. Das Reisen mit Zöliakie ist manchmal eine Herausforderung - mit der richtigen Vorbereitung und persönlichen Einstellung klappt das allerdings wunderbar.
Mein Motto: glutenfrei. entdecken. genießen.
Jenni
Kategorie:Zöli-Leben
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5 Kommentare

  • Februar 4, 2019 at 9:50 am
    Nicole Haist

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, er spricht mir aus der Seele! Genau so fühlt man sich, wenn man einen selbst gebackenen Kuchen bekommt. Danke!

    REPLY
  • Februar 8, 2019 at 6:29 am
    Julia

    Nicht jeder Mensch mit Zöliakie kennt die beschriebene Situation und Gedanken.
    Die Gefahr der Kontamination kennt man wenn man sich informiert hat. Auch ist man als nicht Betroffener in der Lage zu verstehen was von Natur aus Gluten beinhaltet und was nicht.
    Mein Partner hat sich sehr gefreut, als ich anfing für ihn zu backen. Glutenfrei. Ohne negativ Folgen.
    Ich möchte die Gefahr der Kontamination nicht herab spielen. Der Beitrag wirkt auf mich jedoch sehr von oben herab. Schade für dich, dass du scheinbar nur negativ Erfahrungen machst mit Mitbürgern ohne Unverträglichkeit.

    REPLY
    • Februar 8, 2019 at 7:30 pm
      Jenni

      Hallo Julia,
      mein Partner und meine Familie backen auch für mich – darüber freue ich mich sehr! Personen, die mir sehr nahe stehen kennen sich inzwischen nach vielen Gesprächen, gemeinsamen Backen und Tipps mit dem Thema Zöliakie und Kontamination aus. Da esse ich dann auch gerne für mich gebackenen Kuchen. Der Artikel richtet sich eher an Bekannte, Kollegen und bei Einladungen. Ich freue mich, wenn sich jemand für mich die Mühe machen will und mir etwas backen möchte. Gleichzeitig ist vor allem das Thema Kontamination für manche Nicht Betroffene oft schwer nachvollziehbar – völlig verständlicherweise. Vor meiner Diagnose habe ich auch nicht gewusst wie streng wir Zölis auf kleinste Brösel achten müssen. In einer Partnerschaft oder in der Familie mit einem Zöli ist man mit dem Thema natürlich besser vertraut. Dass du für deinen Partner glutenfrei backst finde ich toll.
      Liebe Grüße,
      Jenni

      REPLY
  • Februar 8, 2019 at 9:29 pm
    Anna Ringert

    Ich kenne diese Situationen auch und ich hasse es. Manchmal bringe ich es nicht übers Herz Nein zu sagen, dann nehme ich ein Stück Torte mit und mein Mann isst es später daheim. Wenn ich frage, ob die Torte mit dem Mixer gemacht wurde denken viele ich übertreibe. Kontamination wird oft nicht ernst genommen.

    REPLY
    • Februar 8, 2019 at 10:03 pm
      Jenni

      Hallo Anna,

      oje! Ich hab es auch schon mal nicht übers Herz gebracht der Person zu erklären, dass ich den Kuchen nicht essen kann. Da hat die Mutter eines Bekannten extra Kuchen für mich gebacken. Leider konnte sie mir nicht mehr genau die Zutaten aufzählen und auch mit Kontamination konnte sie nichts anfangen. Das war mir dann zu riskant. Sie hat sich allerdings so über den gelungenen Kuchen gefreut, dass ich ein Stück mitgenommen habe und dann meiner Familie gegeben habe. So Situationen sind dann echt blöd.
      Liebe Grüße,
      Jenni

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